Der folgende Text ist entnommen aus "Wallenborn, Werden und Wandel eines Eifeldorfes"

Herausgeber: Gemeinde Wallenborn

Redaktion: Matthias Thömmes, Kulturkreis Wallenborn; Seite 32 - 46 
Im Buch selbst befinden sich viele alte Fotos (Klassenaufnahmen, Schule und Schulleben)

 

Geschichte der Schule

Matthias Thömmes VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUM SCHULNEUBAU 1908

Die ersten Schulen in unserem Bereich wurden von der Kirche eingerichtet. Schon sehr früh verlangte diese von den Geistlichen, dass sie Schule halten sollten. Aber erst im 16. Jahrhundert konnte diese Forderung verwirklicht werden. In diesen Schulen wurde allerdings nur in gewissen Abständen unterrichtet. Außerdem gab es sie nur in größeren Orten. Es waren Pfarrschulen, in denen die Unterweisung in der christlichen Lehre neben Lesen und Schreiben im Vordergrund stand. Im Übrigen war für die schulische Bildung wenig Interesse vorhanden.

Das änderte sich etwas im 17. und 18. Jahrhundert, als die Erzbischöfe und Kurfürsten sich für die Unterrichtung der Jugend einsetzten. Sie gaben Schulordnungen heraus, die aber zunächst noch wenig Beachtung fanden. In Wallenborn übernahm 1719 der Vikar den Schulunterricht. In der Regel wurde im Winter unterrichtet, da die Kinder im Sommer in der Land-Wirtschaft tätig sein mussten. In vereinzelten Orten wurde zwar schon ganzjähriger Unterricht angeboten, doch kamen auch hier im Sommer nur wenige Kinder. Selbst im Winter war der Schulbesuch vieler Kinder sehr unregelmäßig. Manche kamen trotz Schulpflicht nie. Die Kosten für die Schule wurden von allen Mitgliedern der Pfarrgemeinde gemeinsam getragen. Wie schlecht es damals um das Schulwesen stand, zeigt allein die Tatsache, dass selbst viele angestellte "Lehrer" kaum des Lesens, Schreibens und Rechnens kundig waren. Die meisten Orte hatten nicht einmal ein Schulgebäude. So heißt es in einem Visitationsbericht der Jahre 1742/43 über die Pfarreien Meisburg und Salm, dass keine Schulhäuser vorhanden seien. Aus der Pfarrei Salm wird weiter berichtet, dass der Unterricht im Winter in einem Mietshaus stattfinde, aber gut besucht würde. Der Lehrer bekam als Lohn von jedem Haus jährlich 1/2 Sester Korn (10 Pfund) und von jedem Schulkind Schulgeld nach Übereinkommen. Wir können annehmen, dass die Verhältnisse in Wallenborn ähnlich waren.

1777 wurde dann in Wallenborn das erste Schulgebäude errichtet. Es stand in der Nähe der Kirche und wurde erst in den Jahren 1947/48 abgerissen, um dem Kirchenerweiterungsbau Platz zu machen. Nun besserten sich die Schulverhältnisse von Jahr zu Jahr, vor allem, als 1825 unter der preußischen Verwaltung die Schulpflicht für Kinder ab dem 6. Lebensjahr eingeführt wurde. Man legte damals großen Wert auf die Mitwirkung der Geistlichen, die noch bis in die 1920er Jahre hinein "Schulinspektoren" waren. Entlassen konnte man beispielsweise nur werden, wenn der Pfarrer vom weiteren Schulbesuch entband. Die Schulen wurden Elementarschulen genannt. Nach dem Bau des Schulhauses hatte auch Wallenborn einen ständigen Lehrer. 1777 erhält der Vikar auch für seine Dienste als Lehrer 24 Taler und Fruchtlieferungen von der Gemeinde.

1830 wird Jakob Kraemer aus Gromes als Lehrer angegeben. Sein Gehalt beträgt 80 Taler, seine Fähigkeiten sind "hinreichend". 1869 ist Clemens Ringer aus Montabaur Lehrer in Wallenborn. Er erhält bereits 135 Taler Gehalt, und der Pastor ist mit ihm zufrieden. Das Schulhaus wird als gut bezeichnet.

In den folgenden Jahren stabilisierte sich das Schulwesen auch in unserem Raum mehr und mehr. Vor allem erhielten jetzt die Lehrer eine bedeutend solidere Ausbildung, sodass sie nun auch einen qualifizierteren Unterricht geben konnten. Nach langjähriger Tätigkeit wurde Lehrer Ringer am 14. 8. 1893 von Franz Klassen abgelöst. Am 14. 9. 1873 in Arenrath geboren, leitete er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1933 vierzig Jahre lang die Wallenborner Volksschule und prägte in dieser Zeit das Dorfbild entscheidend mit.

IN DER NEUEN SCHULE (bis 1945)

Der von Lehrer Franz Klassen in die Wege geleitete Schulneubau wurde 1906 begonnen und 1908 fertiggestellt. Seinem unermüdlichen Einsatz ist es auch zu verdanken, dass bereits kurz nach dem Einzug in das neue Gebäude eine zweite Lehrkraft eingestellt wurde. So konnte Klassen schon 1908 mit der Kollegin Gertrud Porteset ein zweiklassiges System einrichten, in dem er die Knaben der Oberstufe mit den Mädchen der Mittelstufe, sie die Mädchen der Oberstufe und die gemischte Unterstufe unterrichtete.

Das damalige Schulwesen war vom Kaisertum geprägt. So wurden sowohl die nationalen Gedenktage (Sedan, Reichsgründung usw.) wie auch die persönlichen Jubiläen des Kaisers (Geburtstag) gebührend gefeiert. Der Lehrer selbst war in das dörfliche Leben integriert, galt neben dem Pfarrer als Respektperson und war bei allen Anlässen im öffentlichen Dorfleben Helfer und Berater, ob das nun Vieh oder Volkszählung, Chorleiter- oder Organistendienst war. Gerade in dieser Beziehung hat sich Lehrer Klassen große Verdienste erworben. Neben der Kirchenmusik war der Obstanbau sein großes Wirkungsfeld, und mancher Obstbaum in und um Wallenborn ist von ihm gepflanzt.

Mit dem I. Weltkrieg ging es dann auch - wie in vielen anderen Bereichen - mit den Schulverhältnissen bergab. Viele Lehrer wurden eingezogen. So musste auch Lehrer Klassen 1915 zum Militär, sodass der Unterricht von der Lehrerin allein gehalten wurde. Sie unterrichtete in dieser Zeit die fünf Oberklassen drei Stunden vormittags sowie die drei Unterklassen drei Stunden nachmittags. Wurde sie krank, musste der Unterricht entweder ganz ausfallen oder vom Lehrer in Salm vertretungsweise gehalten werden. Dieser Zustand hielt allerdings nur ein Jahr an, denn im Januar 1916 kehrte Herr Klassen zurück und konnte den Unterricht wieder aufnehmen. Im Jahre 1917 musste er jedoch wieder einrücken, wurde ein Jahr später aber erneut entlassen und konnte ab dem 4. Januar 1918 wieder unterrichten.

1921 wurde die Lehrerin Porteset von der Kollegin Herber abgelöst, die bis zum Jahre 1934 die Stelle innehatte. Danach übernahm Frau Maria Bauer die Grundschulklassen, allerdings nur für wenige Monate. Nach einer kurzen Vertretungszeit durch den Schulamtsbewerber

Richard Hommerding kam Ida Hellwig als zweite Lehrkraft an die Wallenborner Schule. Sie blieb bis zum Juli 1937 und wurde dann von der Schulbewerberin Paula Feiges abgelöst. Nach der Pensionierung von Franz Klassen 1933 übernahm Lehrer Padberg die Leitung der Volksschule Wallenborn. Er musste sich bereits den Direktiven der Nationalsozialisten unterwerfen. Die Folge waren u.a. ständige NS-Kurse und - Tagungen, die Padberg über längere Zeiträume von der Schule fernhielten. In dieser Zeit musste sein Unterricht vertreten werden. Als am l. 2. 1938 Paula Feiges nach Jünkerath abgeordnet wurde, musste Padberg zeitweise alleine unterrichten. Die Schule hatte damals 93 Kinder. Dieser Zustand änderte sich nur kurz, als die Stelle am l. April 1938 von der Schulamtsbewerberin M. Mellage besetzt wurde. Bereits einen Monat später, am 1. Mai, musste sie nach Wißmannsdorf überwechseln.

Am 11. Juli übernahm dann die Lehrerin Josefine Scholl aus Wien die Grundschulklassen. Wenige Wochen später, am l. 9. 1938 verließ Lehrer Padberg den Ort, nachdem er fünf Jahre lang hier tätig war. Sein Nachfolger wurde am 4. Oktober 1938 Lehrer Alois Keidel, dem die schwere Aufgabe zufiel, die Geschicke der Volksschule Wallenborn während des II. Weltkrieges zu leiten. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 89 Kinder die Schule: 50 im l.-4., 39 im 5.-8. Schuljahr. Nach neunmonatiger Tätigkeit verließ Josefine Scholl zu Beginn der Osterferien 1939 die Schule. Ihre Nachfolgerin wurde am 2. Mai desselben Jahres die Lehrerin Katharina Schmitt.

Auch Lehrer Keidel unterstand dem NS-Regime und musste ihm Folge leisten. So war auch er öfters auf Tagungen und Kursen, während derer er vertreten werden musste.

Mit Kriegsbeginn am l. September 1939 begann für die Schule Wallenborn die Zeit der Drangsale. Bereits am 5. September wurden beide Schulsäle durch Einquartierung mit Soldaten belegt, sodass der Unterricht für längere Zeit völlig ausfallen musste. 91 Schulkinder waren von diesem Ausfall betroffen, der sich im Laufe der Kriegsjahre in regelmäßigen Abständen wiederholte. In den wenigen Schulwochen zwischendurch wurden dann zudem noch viele Schulstunden geopfert, um Heilkräuter, Altmaterial, aber auch Kartoffelkäfer zu sammeln. In den Sommermonaten gingen die Kinder geschlossen mit ihren Lehrern in den Weidenbacher Wald Heidelbeeren pflücken. Die Bemühungen Lehrer Keidels bei den jeweiligen Kompanieführern, wenigstens einen Schulsaal für Unterrichtszwecke freizumachen, fruchteten nicht. Bitter beklagt er sich in der Chronik über die allmähliche Verwilderung der Schuljugend nicht nur durch den vielen Unterrichtsausfall, sondern vor allem durch den Umgang mit den Soldaten.

Als 1940 Katharina Schmitt pensioniert wurde, trat Lehrer Ohmer an ihre Stelle. Schulleiter Keidel lobt ihn als gewissenhaften und zuverlässigen Kollegen. Am 24. l. 1941 kam Susanne Meyer als neue Lehrkraft nach Wallenborn und übernahm das l. - 3. Schuljahr. Lehrer Ohmer unterrichtete ab dieser Zeit in Salm, da der dortige Lehrer zum Militär eingezogen war. Susanne Meyer stammte aus Niederhersdorf und trat in Wallenborn als Junglehrerin ihre erste Stelle an. Sie hatte sich schnell eingearbeitet und war bei Kindern und Eltern sehr beliebt. Mit Lehrer Keidel zusammen trug sie die Geschicke der Wallenborner Schule bis 1944 gemeinsam.

Obwohl die Lehrpersonen von Wallenborn keine ausgesprochenen Nazianhänger waren, konnten sie nicht umhin, das Schulleben und den Unterricht im Sinne der NS - Ideologie auszurichten. Das begann schon im l. Schuljahr mit entsprechenden Texten und Illustrationen in der Schulfibel. In den folgenden Grundschuljahren lernten die Kinder kleine Führergedichte, die bei den regelmäßig stattfindenden Schulfeiern vorgetragen wurden. Solche Feiern gab es beispielsweise am Tag der Reichsgründung (31. März), an Hitlers Geburtstag (20. April), am l. Mai (Tag der Arbeit), am 9. November (Marsch zur Feldherrnhalle) und am Schulentlasstag). Der Schulsaal war dann mit Hakenkreuzfahnen und frischem Grün festlich geschmückt, und auch draußen flatterten die Fahnen an dafür eigens errichteten Masten.

In der Oberstufe begann der Unterricht morgens mit dem Hitlergruß. Nach einem zackig gesungenen zeitgemäßen Soldatenlied mussten von den Schülern die wichtigsten Ereignisse aus dem Wehrmachtsbericht vorgetragen werden. Mit Begeisterung wurde dann über die Erfolge von Heer, Luftwaffe und Marine zu Lande, zu Wasser und in der Luft berichtet. Die ganze Klasse ließ sich beeindrucken von den Abschusszahlen der damals berühmten Jagdflieger Werner Mölders, Adolf Galland und Hans Joachim Marseille, den zigtausend versenkten Bruttoregistertonnen im Atlantik durch unsere U-Boote (Kapitänleutnant Prien) und den Siegen unserer Wehrmacht in Polen, Norwegen, Frankreich, auf dem Balkan, im Mittelmeerraum, in Afrika und Russland. In den folgenden Unterrichtsstunden wurde das alles nochmals vertieft und in die Hefte eingetragen.

Im Geschichtsunterricht standen der Lebenslauf Hitlers und die Taten der großen Deutschen wie Karl der Große, Friedrich Barbarossa, Friedrich der Große und die deutschen Kaiser im Mittelpunkt. Das Germanentum wurde im Unterricht besonders intensiv behandelt. Über allem stand die Direktive des Regimes "Führer und Gefolgschaft", auf die die Schüler eingeschworen werden sollten und die noch durch entsprechende Gedichte und Lesestücke untermauert wurde. Einen hohen Stellenwert hatte der Sport. Auch Lehrer Keidel war bestrebt, des Führers Wunsch, dass die deutsche Jugend "zäh wie Leder, flink wie Windhunde und hart wie Kruppstahl" sein sollte, zu verwirklichen. So fanden denn als Krönung des wöchentlichen Sportunterrichtes, der auch militärische Exerzierübungen einschloss, die jährlichen Reichsjugendwettkämpfe statt, bei denen sich die benachbarten Schulen Salm, Weidenbach, Meisburg, Deudesfeld, Ober-, Niederstadtfeld und Neroth mit Wallenborn zur Austragung der verschiedenen Sportdisziplinen trafen. Hierzu wanderten die Kinder nach Niederstadtfeld oder Weidenbach, während sich in anderen Jahren die Schulen auf dem Wallenborner Sportplatz trafen. Bei diesen Veranstaltungen durfte natürlich das nationalsozialistische Zeremoniell mit Hitlergruß, militärischem "in Reih und Glied", Hakenkreuzfahnen und den entsprechenden Liedern nicht fehlen, vor allem bei der Siegerehrung.

Zum Schwimmen wanderten die Klassen regelmäßig nach Niederstadtfeld, das unterhalb des Ortes im Tale nach Schutz ein Schwimmbad besaß. Hier wäre es eines Tages fast zu einem tragischen Unfall gekommen. Da die meisten Kinder noch nicht richtig schwimmen konnten, tummelten sie sich im Nichtschwimmerbecken. Durch irgendeinen Umstand geriet Christian Eul ins Schwimmerbecken und rief verzweifelt um Hilfe. Beherzt sprang Lehrer Eugen Ohmer hinterher und rettete ihn vor dem Ertrinken. Die Tat ist umso höher zu bewerten, da Herr Ohmer Kriegsinvalide war und eine Hand amputiert hatte.

Obwohl im "Reichskonkordat" von 1933 der Religionsunterricht in den Schulen von den Nationalsozialisten anerkannt wurde, kam es schon bald zum Verbot. Die Kreuze wurden aus den Schulsälen entfernt und durch ein Hitlerbild ersetzt, und die Geistlichen durften in den Schulen keinen Religionsunterricht mehr halten. Zum Katechismusunterricht gingen die Wallenborner Kinder daher während der ganzen Kriegsjahre in die Kirche.

Eine besondere Attraktion bildete immer das NS-Filmauto, das regelmäßig Filme brachte, die Lehrer Keidel dann vorführte. In der Grundschule waren das überwiegend Märchenfilme (Der Hase und der Igel; Hansel und Gretel usw.), in der Oberstufe Streifen wie "Wer will unter die Soldaten", "Sudetendeutschland kehrt heim" oder "Deutsches Land in Afrika".

Wie oft stellte man bis heute im In- und Ausland die Frage, warum die Deutschen so bedingungslos und blind mit den Nazis ins Verderben liefen. Ein gerüttelt Maß trug dazu zweifellos der damalige Schulalltag und die Erziehung der deutschen Jugend bei, die auf raffinierte Art und Weise bis in die kleinsten Eifeldörfer von der NS - Ideologie durchdrungen wurden und von der sich vor allem die Kinder kritiklos einfangen ließen.

Im Übrigen war das Wallenborner Lehrpersonal so loyal, den Unterricht daneben mit genügend anderen, neutralen Stoffen aufzulockern und zu gestalten. Manche Lehrer, wie beispielsweise Susi Meyer, waren sogar ausgesprochene Nazigegner.

Im Jahre 1943 stieg die Schülerzahl in Wallenborn auf 103. Im Hinblick auf die damalige Schulsituation lässt sich kaum ermessen, welche Schäden die Kriegsjahre bei dieser hohen Zahl von Jugendlichen hinterließen, vor allem, als im Jahre 1944 wegen der großen Fliegergefahr und nicht zuletzt auch wegen der V l die Schule ganz geschlossen werden musste. Lehrer Keidel machte im August 1944 folgenden Eintrag in die Schulchronik:

"Am 27.8.1944 erhielt ich von der Post des Amtes Gerolstein Bescheid: Unterricht einstellen, für anderweitigen Einsatz bereithalten".

Keidel wurde dann im Oktober 1944 zum Westwall eingezogen, während seine Kollegin Susi Meyer noch eine Zeitlang alleine unterrichtete. Die verstärkten Einsätze der alliierten Bomber und die deutsche V l brachten schließlich den Schulunterricht ganz zum Erliegen. Als die Lehrer angewiesen waren, die Schüler wegen der Fliegergefahr nur in kleinen Trüppchen nach Hause zu schicken, wurde die Schule geschlossen. Lehrer Keidel schrieb damals in die Schulchronik:

"Am 23. 10. 1944 nahm ich den Unterricht wieder auf, stellte ihn aber Anfang November wieder ein, da die über das Dach des Schulhauses hinweggehenden V l Geschosse dieses allzu sehr gefährdeten". 

NACHKRIEGSJAHRE UND NEUGLIEDERUNG

Anderthalb Jahre dauerte es, bis die gröbsten Schäden am Schulgebäude beseitigt und auch die Klassenräume wieder in Ordnung gebracht waren. Das Schulgebäude hatte vor allem beim Bombenangriff am 18.Februar 1945 schwere Schäden davongetragen. Lehrer Keidel schreibt in der Schulchronik:

".... Vom Februar bis November 1945 regnete es an unzähligen Stellen durch das Schieferdach. In allen Zimmern tropfte es von der Decke und es gab nicht Gefäße genug, um das Wasser auf dem Speicher aufzufangen."

Erst durch die unermüdliche Initiative von Pfarrer Franz Heil konnten der Dachdecker Baasch und der Zimmermann Jakob Hens das Dach soweit in Ordnung bringen, dass es nicht mehr ins Gebäude hinein regnete und retteten so das Schulhaus vor dem Verfall. Nachdem Lehrer Keidel am 1.11. 1945 an die Volksschule Mehren abgeordnet worden war, wurde am 20. 2. 1946 Fritz Kesseler aus Salm durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Trier als Schulhelfer die vertretende Verwaltung der Schulstelle Wallenborn übertragen. Damit konnte nach eineinhalbjähriger Unterbrechung der Unterricht wieder aufgenommen werden.

Da die Schülerzahl zu dieser Zeit 118 Kinder betrug, wurde Fritz Kesseler eine Schulhelferin als zweite Lehrkraft zugewiesen.

Wie an allen Schulen des Bezirks herrschte auch an der Schule in Wallenborn absoluter Notstand. Es gab kein Schreibmaterial, keine Bücher und keine Unterrichtsmittel. Was nicht geplündert worden war, durfte nicht mehr verwendet werden. Erst im Laufe der Nachkriegsmonate wurden von der Besatzungsmacht neue Bücher genehmigt und andere Richtlinien zur Erziehung herausgegeben. Das in der Nazizeit praktizierte staatliche Erziehungsmonopol und die damit verbundenen Ziele wurden für nichtig erklärt und durch die gemeinsame Arbeit der verschiedenen Bildungs- und Erziehungsträger wie Eltern, Staat, Gemeinde, Kirche und Religionsgemeinschaften ersetzt. Der neue Erziehungsauftrag der Schule kam damals in Artikel 33 der Landesverfassung zum Ausdruck, in dem es heißt, dass die Schule die Jugend zur Gottesfurcht und Nächstenliebe, Achtung und Duldsamkeit, Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit, zur Liebe zu Volk und Heimat, zu sittlicher Haltung und beruflicher Tüchtigkeit und in freier, demokratischer Gesinnung im Geiste der Völkerversöhnung erziehen soll.

Welch ein Gegensatz zu den menschenverachtenden Ideologien und Prinzipien der vergangenen Jahre. Für Schüler und Lehrer war da schon ein totales Umdenken erforderlich.

Da der Geburtsjahrgang 1931/32 während des Krieges nicht mehr entlassen werden konnte, bildeten diese Kinder in dem neuen Klassenverband das 9. Schuljahr. Dieses verblieb jedoch nur wenige Tage in der Schule. Schon am 26. 2. 1946 erfolgte die Entlassung.

In jenen Jahren fand täglich eine Schulspeisung statt, die den Kindern während der großen Pause in Form von verschiedenartigen Suppen, Kakao, Nudeln oder Grießspeisen verabreicht wurde. Für die Herstellung und Verteilung hatte sich Frau Maria Thömmes aus dem Nachbarhaus zur Verfügung gestellt. Wenn die meisten Kinder von Wallenborn damals -im Gegensatz zu den Städten - auch genug zum Essen hatten, so war diese Schulspeisung für sie doch jedes Mal ein ganz besonderes Ereignis, auf das man sich schon am Tage vorher freute.

Schön waren in jenen Jahren auch die sommerlichen Ausflüge in den Weidenbacher Wald zum Heidelbeeren sammeln. Wie schon während der Kriegsjahre, begab man sich schon morgens früh mit Blechdosen und Eimern auf die 4 km lange Wanderung, denn es dauerte einen ganzen Tag, bis die Gefäße gefüllt waren. Das diese Ausflüge immer mit viel Spaß verbunden waren, braucht keiner besonderen Erwähnung. Die gesammelten Heidelbeeren wurden verkauft und die Einnahmen für Schulausflüge verwendet.

Nun folgte eine Zeit des Wiederaufbaues. Allein die Beseitigung der Kriegsschäden am Schulgebäude benötigte bei der damaligen Materialknappheit mehrere Jahre. Ständiger Lehrerwechsel behinderte die kontinuierliche Unterrichtsarbeit und die Weiterbildung der Schüler bis weit in die 50er Jahre hinein. Schließlich hatte die 1965/66 einsetzende Schulreform auch für die Schule Wallenborn einschneidende Folgen.

Nachdem 1966 das Schulhaus umgebaut, erweitert und anschließend mit neuem Mobiliar ausgestattet worden war, wurden 1967 die 9.Schuljahre in Meisburg zusammengefasst. 1968/69 erfolgte dann die endgültige Zentralisierung der Oberstufen in der Mittelpunkt- und späteren Hauptschule Niederstadtfeld. Danach verblieben in Wallenborn und Salm nur noch die Schüler des 1.- 4.Schuljahres. Von Kriegsende bis zu Beginn der 70er Jahre waren in Wallenborn folgende Lehrpersonen tätig:

Fritz Keßler                 (1946-1948)
Leo Michels                 (1946)
Marianne Theobald      (1946-1948)
Gottfried Keul             (1948)
Josef Ruhe                  (1948-1949)
Schmitz                      (1948)
Edmund Meyer           (1949 - 1951

Bernhard Mehler           (1949 -1965)
Josef Reich                   (1950-1951)
Ema Merkes                 (1951-1952)
Marlies Jutz                  (1960 - 1963)
Anni Rösch                   (1963 -1970)
Manfred Windhausen     (1965 - 1966)
Günther Britz                (1966-1971)

Mit dem Bau der Mittelpunktschule und heutigen Hauptschule Niederstadtfeld sowie der Neuorganisation der Grundschule Wallenborn mit einer Zweigstelle in Salm, zu deren Einzugsbereich auch Deudesfeld, Meisburg und Weidenbach gehören, änderte sich das Schulwesen auch in Wallenborn. Seit dem Jahre 1974 ist die Schule Wallenborn keine Einrichtung der Gemeinde mehr, sondern steht in der Trägerschaft der Verbandsgemeinde Daun.

Folgende Lehrkräfte haben nach der Einleitung der Zentralisierung des Schulwesens Ende der 60er Jahre an der Schule Wallenborn oder der Außenstelle Salm unterrichtet oder unterrichten noch:

Wolfgang Niesen
Hans Häser
Andrea Fricke
Walter Schuster
Franz Schifferings
Mathilde Hermes
Helga Schulten
Kilian Staudinger
Ingrid Hamaekers
Michaela Krag

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