Packen beim Umzug in Niederstadtfeld mit an:
Die Zweitklässler Maximilian (links) und Henning verstauen Bücher aus dem Klassenraum in Kartons.TV-Foto: Marie-Cathérine Fromm

Text und Foto übernommen aus:
Trierischer Volksfreund vom 05.07.2013 
Autor: Marie-Cathérine Fromm und Stephan Sartoris

Der Schließung zweiter Akt

Kurz vor dem Beginn der Sommerferien ist im Niederstadtfelder Schulgebäude nicht nur unterrichtet worden. Es wurden auch viele Kisten gepackt. Denn für die Kinder der Grundschule Wallenborn, die wegen des Umbaus ihrer Schule ein Jahr lang die Räume im Nachbarort genutzt haben, geht es nach den Ferien zurück in ihr frisch renoviertes Gebäude. Die Schule in Niederstadtfeld steht dann endgültig leer.  

Niederstadtfeld/Wallenborn. Maximilian und Henning räumen Bücher aus dem Regal und packen sie in eine Umzugskiste. Anna verstaut ihre Schulsachen aus dem Klassenraum in einer Plastiktüte. In der Schule in Niederstadtfeld packen alle mit an beim - davon gehen alle aus - endgültig letzten Umzug nach Wallenborn. "Ich will möglichst viel erledigen bis zur ersten Ferienwoche", sagt Schulleiter Manfred Gorges. Er wie auch ein Teil der Schüler kennen das Prozedere, schließlich wurde schon vor zwei Jahren der Wechsel von einem Ort in den anderen vollzogen.

Mehr als 40 Jahre Schulstandort: Die mehr als 40 Jahre in Niederstadtfeld beheimatete Grund- und Hauptschule war 2011 geschlossen worden. Fast 600 Schüler besuchten sie in den besten Zeiten, zuletzt waren es noch etwa 120. Nach 43 Jahren ging das Kapitel Grund- und Hauptschule zu Ende, aber der Schulstandort selbst hat nun ein Jahr mehr vorzuweisen. Denn zum Schuljahr 2012/2013 wurde entschieden, dass die Grundschule Wallenborn wegen des Umbaus des dortigen Schulgebäudes wieder nach Niederstadtfeld umzieht. Die einfachste Lösung für die Schulträgerin, die Verbandsgemeinde (VG) Daun, stand doch in Niederstadtfeld noch alles bereit für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs.

Rektor kommt mit eigenem Hänger: Die gesamte Ausstattung mit Tischen und Stühlen sowie sämtliches Lernmaterial müssen ins frisch sanierte Schulgebäude in Wallenborn transportiert werden. Und das weitestgehend auf eigene Faust. Die Lehrer und der Hausmeister sind bereits seit zwei Wochen dabei zu packen, und auch nächste Woche ist ihre Freizeit zum größten Teil für den Umzug reserviert. "Ich bringe einen Hänger für meine Sachen mit", sagt Rektor Gorges. Auch die Eltern haben beim Reinigen verstaubter Bücher aus dem Leseraum geholfen.
Gemischte Gefühle: Die Stimmung vor dem Umzug von Niederstadtfeld nach Wallenborn ist gemischt. "Ich finde es nicht schön, weil wir hier draußen viel mehr Platz zum Spielen haben", sagt die neunjährige Joana aus Salm. Auch die Klassenräume seien in der alten Schule viel
größer, auf einen Medienraum müssen sie in der neuen Bleibe verzichten. "Ich freue mich auf die Schule, weil die alles ganz neu für uns gemacht haben", sagt dagegen Mitschülerin Michelle, die auch in Wallenborn wohnt. "Im Winter ist es dann nicht mehr so kalt", ergänzt Lorenz aus Deudesfeld mit Blick auf die sanierungsbedürftigen Fenster in Niederstadtfeld. Das Gebäude in Wallenborn ist frisch renoviert, es gibt neue Toiletten. Direkt neben der Schule liegt außerdem eine große, gut ausgestattete Turnhalle.
Die Kombiklassen aus erster und zweiter sowie dritter und vierter Stufe bleiben in Wallenborn erhalten, weil sonst zu wenige Räume für die insgesamt etwa 40 Kinder zur Verfügung stehen würden. Manfred Gorges sieht dem Umzug nach Wallenborn insgesamt positiv entgegen: "Ich freue mich schon auf eine renovierte Schule."
Bis dahin liegt aber noch einiges an Arbeit vor dem 63-Jährigen und seinen Kollegen. Ein kleiner Trost für den Rektor: "Für mich wird das bestimmt der letzte Umzug sein."

Extra
Nach dem Umzug der Schüler von Niederstadtfeld nach Wallenborn stellt sich für die VG Daun wieder die Frage: Was tun mit 14 Klassen-, neun Fach- und sechs Büroräumen, drei Sanitärbereichen, einer Küche mit Speiseraum und diversen Abstellräumen - einer Nutzfläche (inklusive der Turnhalle) von mehr als 3000 Quadratmetern? Die Verbandsgemeinde hatte bereits 2011 eine Studie mit dem Titel "Zielfindung und Konzeptentwicklung zur Nachnutzung der Grund- und Hauptschule Niederstadtfeld" in Auftrag gegeben. Auf mehr als 100 Seiten hat eine Hamburger Firma Vorschläge erarbeitet, mehrere Optionen wurden konkretisiert. Möglich wären laut Gutachter ein Präventionszentrum für berufliche Gesundheit oder ein Jugend- oder ein Pflegehotel. "Das sind nach wie vor mögliche Optionen", sagt Manfred Hein von der VG-Verwaltung. Potenzielle Interessenten würden bis September kontaktiert. Also alles offen, was eine künftige Nutzung angeht, nur als Schulgebäude wird der Komplex in Niederstadtfeld wohl nicht noch einmal ein Comeback erleben. sts

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